„Trennung und Leid – Du spürst den Schmerz.“
"Trennung und Leid - Du spürst den Schmerz."
Audio Guide Station 5
1. Mose, Kapitel 3, Verse 7-19 und Vers 24
Plötzlich gingen beiden die Augen auf, und ihnen wurde bewusst, dass sie nackt waren. Hastig flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich daraus einen Lendenschurz. 8 Am Abend, als ein frischer Wind aufkam, hörten sie, wie Gott, der HERR, im Garten umherging. Ängstlich versteckten sie sich vor ihm hinter den Bäumen. Aber Gott, der HERR, rief: »Adam, wo bist du?« Adam antwortete: »Ich hörte dich im Garten und hatte Angst, weil ich nackt bin. Darum habe ich mich versteckt.« »Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?«, fragte Gott. »Hast du etwa von den Früchten gegessen, die ich euch verboten habe?« Adam versuchte, sich zu rechtfertigen: »Die Frau, die du mir gegeben hast, ist schuld daran! Sie reichte mir eine Frucht von dem Baum – deswegen habe ich davon gegessen.« »Was hast du bloß getan?«, wandte der HERR sich an die Frau. »Die Schlange hat mich dazu verführt! Nur wegen ihr habe ich die Frucht genommen«, verteidigte sie sich.
Da sagte Gott, der HERR, zur Schlange: »Das ist deine Strafe: Verflucht sollst du sein – verstoßen von allen anderen Tieren! Du wirst auf dem Bauch kriechen und Staub fressen, solange du lebst! Von nun an werden du und die Frau Feinde sein, auch zwischen deinem und ihrem Nachwuchs soll Feindschaft herrschen. Er wird dir auf den Kopf treten, und du wirst ihn in die Ferse beißen!« Dann wandte Gott sich zur Frau: »Ich werde dir in der Schwangerschaft viel Mühe auferlegen. Unter Schmerzen wirst du deine Kinder zur Welt bringen. Du wirst dich nach deinem Mann sehnen, aber er wird dein Herr sein!« Zu Adam sagte er: »Statt auf mich hast du auf deine Frau gehört und von den Früchten gegessen, die ich euch ausdrücklich verboten hatte. Deinetwegen soll der Ackerboden verflucht sein! Dein ganzes Leben lang wirst du dich abmühen, um dich von seinem Ertrag zu ernähren. Du bist auf ihn angewiesen, um etwas zu essen zu haben, aber er wird immer wieder mit Dornen und Disteln übersät sein. Du wirst dir dein Brot mit Schweiß verdienen müssen, bis du stirbst. Dann wirst du zum Erdboden zurückkehren, von dem ich dich genommen habe. Denn du bist Staub von der Erde, und zu Staub musst du wieder werden!
So kam es also, dass die Menschen aus dem Garten vertrieben wurden. An dessen Ostseite stellte Gott Engel mit flammenden Schwertern auf. Sie sollten den Weg zu dem Baum bewachen, dessen Frucht Leben schenkt.
Bedeutung
Ein einziger Akt des Ungehorsams und aus dem Paradies wird ein folgenschwerer Albtraum. Die Verbundenheit mit Gott zerbricht in einem Augenblick. Wo vorher Vertrauen war, ist auf einmal Verunsicherung. Aus der ursprünglichen Freude am Miteinander wird ein trauriges Versteckspiel. Die Scham über die eigene Schuld verhindert die Begegnung mit Gott. Dieser gibt sich damit nicht zufrieden. Er geht dem Menschen nach und deckt auf, was passiert ist.
Die Reaktionen von Mann und Frau zeigen, dass mit dem Genuss der verbotenen Frucht auch ihre Beziehung zueinander Schaden genommen hat. Plötzlich geben sie sich gegenseitig die Schuld: Keiner will verantwortlich sein, jeder sagt: „Der andere ist schuld, nicht ich.“ Diese Haltung – die Schuld bei anderen zu suchen – steckt im Kern vieler menschlicher Konflikte.
Die Akteure dieses Dramas müssen ihre Strafe tragen. Gott kündigt der Schlange eine lebenslange Feindschaft zwischen ihren und den Nachkommen der Menschen an, bis einer dieser Nachkommen die Schlange eines Tages besiegen wird. Die Frau muss ihre Kinder mit Schmerzen zur Welt bringen. Das Verhältnis der Geschlechter gestaltet sich spannungsvoll. Bei der Erwerbsarbeit muss sich der Mann abmühen. Die Schöpfung, für deren Schutz der Mensch die Verantwortung übertragen bekommen hatte, wird in Mitleidenschaft gezogen. Der Mensch stirbt zwar nicht sofort, aber sein Körper ist dem äußeren und inneren Zerfall unterworfen. Sein Dasein muss er außerhalb vom Garten Eden fristen.
Der biblische Bericht stellt uns die Verantwortung für unser eigenes Leben vor Augen. Natürlich gibt es auch Leid, dessen Ursache wir nicht verstehen. Einfache oder vorschnelle Antworten können Menschen, die leiden, zusätzlich verletzen. Doch der Schmerz ist in beiden Fällen deutlich spürbar.
Fragen an mich
- Wo habe ich in meinem eigenen Leben schon erfahren, dass Vertrauen in Beziehungen – zu Gott oder zu anderen Menschen – zerbrochen ist? Wie bin ich damit umgegangen?
- In welchen Situationen neige ich dazu, die Schuld eher bei anderen zu suchen, statt meinen eigenen Anteil ehrlich zu betrachten?
- Wie gehe ich mit Leid und schwierigen „Warum“-Fragen um – bei mir selbst und bei anderen?
Zitat
„Die Linie, die Gut und Böse trennt, verläuft nicht zwischen Staaten, nicht zwischen Klassen und nicht zwischen Parteien, sondern quer durch jedes menschliche Herz.“ Alexander Solschenizyn
Vertiefende Inhalte wie Lebensberichte, weiterführende Beiträge und Verweise auf Homepages folgen.